Planen kann man viel, aber was endgültig daraus wird vermag ich momentan nicht zu sagen.
Ich wage meinen 3. Versuch es auf den Camino Aragones zu schaffen.
Seit 2023 besteht der Plan und meinen ersten Start für Juni 2024 musste ich wegen eines unkomplizierten, aber vorhandenen, Fußbruches stornieren.
Gestartet bin ich dann im September 2024 und nach meiner ersten Etappe war Schluss. Nicht Schluss mit meiner Wanderung, aber mit dem Plan Aragones. In Etsaut war es aufgrund von Überschwemmungen im Dorf zum Abrutsch der Straße gekommen.
Schon ab Sarrance gab es kein Durchkommen mehr.
In der Herberge von Oloron Saint Marie plante ich meinen Weg neu und lief im Zickzack nach Bayonne.
Ein wunderschöner Weg, vielleicht auch, weil ich überhaupt nicht wusste was mich landschaftlich und kulturell erwartete.
Fasziniert durch die Berge entschied ich mich 2025 für den Lebaniego/Vadiniense.
Und nun habe ich die Flüge für 2026 gebucht. Am 14.5. 2026 geht es über Paris nach Pau und von dort nach Lacommande, am nächsten Tag starte ich dann wieder so wie 2024. Da ich 2024 die erste Etappe fast komplett falsch gelaufen bin und es aufgrund von der Schönheit der Natur und der Faszination unterwegs zu sein, einem falschen Schild gefolgt bin (Schild für ein am nächsten Tag startendes Radrennen, lief auf den ersten Kilometern parallel zum Camino und daher zwei verschiedene rot-weiße Zeichen) wird der Weg mich sehr schnell wieder in das Unbekannte nach Oloron-Saint Marie führen und dieses Mal werde ich auf die richtigen Zeichen achten. Dann geht es hinauf zum Somport und weiter Richtung Obanos und eine Etappe entgegen der Richtung nach Pamplona.
Ob das alles klappt? Einerseits mache ich mir Gedanken über meine Schmerzsymptomatik mit Überlastungsschmerzen aufgrund meiner Gangstörung und meine allergrößte Sorge ist meine Mutter.
Ich mache mir Sorgen um ihre Depressionen, die sie nicht wahrhaben möchte, ihre Ängste, Unsicherheiten, Minderwertigkeitskomplexe, ihre suizidalen Gedanken, die sie bei mir nicht ausspricht und generell nicht wahrhaben möchte. Sie lehnt jegliche Hilfe ab, schimpft über alles und dabei wollen alle nur ihr Bestes.
Die familiäre Situation belastet mich, macht mich krank.
Der Lebaniego/Vadiniense war so schön, aber mit der Ankunft daheim war meine Entspannung und Erholung hinüber.
Aber Pläne braucht man, irgendwie geht es immer weiter...
16. Januar 2026
Ich bin noch gar nicht unterwegs und mir gehen Gedanken durch den Kopf, was ich zur Einleitung in mein Tagebuch oder als Eintrag in Lacommande und Oloron Saint Marie in´s Pilgerbuch der Herbergen einschreiben könnte.
Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf, auch der Gedanke:
Warum wieder und wieder pilgern???
Mich fesselt das Unterwegs sein. Obwohl ich in der Fremde bin fühle ich mich unterwegs so heimisch, angekommen, frei und bei mir - lebendig.
Ich bin einfach ich. Nirgends muss ich mich rechtfertigen, nirgends erklären, nichts abarbeiten und funktionieren. Es bedarf keine Planungen, keine wirklichen Ziele: nur ein Fuß vor den anderen setzen.
Der geringe Besitz dessen was man dabei hat, das Zufriedensein mit dem was man zu essen bekommt - und sei es nur das trockene Stück Brot von vorgestern aus dem Rucksack. Das Akzeptieren aller Situationen in die man kommt, seien es die Zusatzkilometer bei verlaufen, Hinnehmen der Wetterverhältnisse, der Unterkünfte.
Das Erfreuen an der Natur, der Begegnungen - und seine sie noch so kurz, die Freude am Tagesende angekommen zu sein, Schmetterlinge, Vögel, Blumen und eine Kuh am Wegesrand.
Die Flüge sind gebucht, bleibt nur noch die Frage, wie gehe ich mit den Tagen "zuviel" um. Laufe ich den Frances noch ein Stück weiter, lasse ich mir einen Pausentag... ? Es wird sich, wie alles, ergeben.
Es bedarf so wenig zum Glücklichsein.
31. März 2026
Schon verrückt, das erste Vierteljahr von 2026 ist schon wieder vorbei. Jetzt haben wir ganz offiziell Frühling, Ostern steht vor der Tür und damit der Beginn der Pilgersaison.
Und das Unglaubliche: es sind nur noch 1,5 Monate bis zu meinem Start.
Bin ich gut präpariert, bin ich vorbereitet und fit für das was ich geplant habe?
Ich versuche regelmäßig zu laufen und tue dieses auch. Jedes Mal muss ich feststellen:
meine Sehnenansätze werden ein Problem sein und ich hoffe, dass mein Arzt mir helfen kann, ohne Cortison wird es nicht gehen.
Immer mal wieder hat es mich in en Teuto gezogen, aber jetzt habe ich gedacht, ich muss mal einen neuen Wanderweg gehen. Nur welchen? Im Sommer, nach meiner Reise, habe ich mich zu einer Tageswanderung mit meinem Arbeitgeber angemeldet, wir laufen einmal mehr eine Etappe des westfälischen Jakobsweges.
Also: warum nicht von der eigenen Haustür starten, Richtung Köln und immer den Pfeilen hinterher.
Die Etappe aus Münsters Innenstadt heraus nach Hiltrup habe ich mir gespart, diese Strecke kenne ich in und auswendig, fahre sie täglich mit dem Rad und ich wollte was Neues kennenlernen.
Also bin ich in Münster-Hiltrup am Bahnhof gestartet und mehr oder weniger spontan und unvorbereitet bis Drensteinfurt gelaufen. Drensteinfurt liegt etwas abseits des Weges, war aber der nächste Bahnhof (aus der Bauernschaft Rieth wäre ich mit den Öffentlichen nicht weg gekommen).
Meine Güte, was eine Öde Etappe. Die hohe Vard in Hiltrup war schön und ich kannte diese noch nicht. Danach nur plattes Münsterland. Feld an Feld, kein Baum, kein Strauch, immer neben der Bahn her. Diese Etappe hat mir das Laufen so schwer gemacht, keine Abwechslung, nichts.
Aber ich habe auf dieser Etappe festgestellt, dass ich keinen Pilgerpass dabei habe und habe mir diesen an der Lambertikirche in Münster geholt.
Den Stempel aus Rinkerode habe ich mir auf ein Stück Papier gestempelt und im Nachhinein ausgeschnitten und in den Pass geklebt.
Um das öde Münsterland abzukürzen bin ich die nächste Etappe geradelt. Von Drensteinfurt mit dem Rad nach Werne. Eigentlich wollte ich noch bis Lünen fahren, aber ich habe in Werne festgestellt, dass ich meine Jacke verloren habe und ohne Winterjacke geht es morgens und abends nicht - also den gleichen Weg wie gekommen zurück.
Da es vor Werne wieder ganz nett wurde, bin ich inzwischen von Werne nach Lünen gelaufen, die Strecke hat mir bei schönstem Wetter gut gefallen.
Morgen werde ich nach dem Dienst mit dem Zug nach Lünen fahren um die 12-15km nach Dortmund zu laufen und meinen Bruder besuchen. Auf Stadtlaufen habe ich nicht wirklich Lust, aber vom Satelitenbild sieht es so aus, als ob man über lange Zeit möglichst durch das Grüne und entlang von Grünanlagen und Parks geführt wird.
Bei näherem Studieren des Aragones und der Etappen dorthin bin ich zufällig auf die Tourismusseite von Sarrance und Borce geleitet worden.
Mein Weg führt an einer Flugschule vorbei und in Accous muss voll von Paraglidern sein.
Ich habe einen Tandemsprung mit dem Gleitschirm gebucht. Morgens laufe ich ca. 10-11km steil den Berg von Sarrance nach Accous hoch und pausiere dann bis 11.30 Uhr um den Tandemflug zu absolvieren. Nach dem Flug laufe ich die zweite Weghälfte, noch einmal 10km nach Borce. Das Herbergsbett ist reserviert, es ist nicht schlimm, wenn ich etwas später dort bin.
Da Tandemflüge auch schon um 10.30 Uhr angeboten werden, ich aber sicher sein wollte, wirkllich pünktlich vor Ort zu sein, habe ich den späten Flug gebucht. Vielleicht kann ich, bei sehr früher Ankunft, auch schon eine Stunde früher fliegen - aber egal, ansonsten genieße ich den Blick auf die Pyrenäen, pausiere ausgiebig und freue mich, auf den Flug und schaue mir die Gleitschirmflieger über dem Tal an. Angst habe ich nicht, ich hoffe, dass mir bei der Aktion nicht schlecht wird - und dass ich die Landung gut koordiniert bekomme und mir nicht die Haxen verstauche.
Einen Text, den ich in Lacommande in´s Gästebuch legen werde habe ich auch schon geschrieben. Der Text ist zu lang. Ich mag diese Gäste-Tagebücher und wenn es ein solches Buch gibt, setze ich mich gerne hin und schreibe etwas.
Meine Via Plata könnte man in Nachhinein von Ort zu Ort in den alten Tagebüchern verfolgen und einmal bin ich auf diesem Weg auf eine Pilgerin getroffen, die mich eingeholt hat, meine täglichen Berichte gelesen hat und gefragt hat, ob ich diese Anne bin, die ihr bislang einen Tag voraus war und jeden Tag so schöne Berichte hinterlassen hat.
11. April 2026
Noch knapp etwas mehr als einen Monat bis zum Strat.
Bin ich gut vorbereitet? Ich habe das Gefühl - eher nicht.
Vor 4-5 Wochen hat mich, trotz Impfung, die Influenza A getroffen. Jetzt habe ich eine Mittelohrentzündung, kann seit 8 Tagen kaum hören auf dem rechten Ohr.
Eigentlich wollte ich in dieser Osterwoche (ich habe Urlaub) meinn westfälischen Jakobsweg fortsetzen. Die Etappe bis Dortmund, 15km haben gut geklappt, aber weiter bin ich noch nicht gekommen. Erst einmal muss ich das momentane Virus los werden.
Heute habe ich meine Packliste gechekt. Das meiste habe ich im Schrank, leider habe ich im letzten Jahr zugenommen, mein Gewicht nicht gehalten.
Immer wieder habe ich mir vorgenommen vor Reiseantritt noch abzunehmen, aber ich bekomme es momentan nicht hin. Der Wille ist da, der Geist schwach.
Einige Unterkünfte habe ich noch klar gemacht.
Zwei Herbergen sind momentan geschlossen, die in Ruesta soll im Mai wieder offen sein - ich habe heute mit der Herberge telefoniert und eine Reservation vornehmen können.
Die Albergue in Jaca ist weiterhin geschlossen, dort habe ich in einer privaten Herberge, Casa Mamre, ein Bett reserviert.
Ich weiß, dass mich die Reservationen in einer Freiheit einschränken können, aber absagen geht noch immer, längst nicht überall musste ich im Vorhinein bezahlen. Die Zahlung erfolgt beim Einchecken und wenn etwas dazwischen kommt, kann ich immer noch stornieren.
Für Bilbao brauche ich definitiv eine Übernachtung, weil ich am Abreisetag in Bilbao vor Ort sein möchte.
Die Unterkunftssuche in Bilbao war nicht schwer, aber auch nicht problemlos. Meine bisherige Unterkunft ist ausgebucht, ich denke, dass viele Mammutmarschläufer in dieser Nacht dort vor schlafen. In einem innerstädtischen Hostel habe ich ein Bett im Schlafsaal reserviert. Diese Unterkunft wird auch im Unterkunftsverzeichnichs des Camino del Norte geführt. Bilbao selbst hat keine Herberge.
In Bilbao ist am Abreisetag Mammutmarsch und nach langen Überlegungen habe ich mich dort für den 30km-Marsch angemeldet. Ich weiß, dass ich 30km laufen kann, in die Nähe dieser Distanz komme ich auf meiner Reise. Aber ich stelle es mir toll vor, in einer gut gelaunten Menge, am letzten Tag Bilbao und Umgebung zu Fuß zu durchlaufen. Angemeldet bin ich für die erste Startgruppe und wenn ich meinen Rucksack dabei habe, kann ich vom Marsch direkt zum Flieger. Ggf. muss ich einen der Ausstiegspunkte des Weges zum Abbruch nehmen, wenn ich zu langsam bin.
Ich freue mich und ich hoffe, dass ich gesundheitlich in einem Monat fit bin.